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Vollständige Liste der Ansprechpartner der DLRG-Jugend Landesverband Westfalen findest du hier .
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Die DLRG-Jugend hat sich das wichtige Ziel gesetzt, jungen Menschen die geschichtliche Vergangenheit näherzubringen. Im Bewusstsein, dass Geschichte nicht nur im Unterricht, sondern vor allem durch eigene Erfahrungen lebendig wird, wurde im Jahr 2023 die erste gemeinsame Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz durchgeführt. Die Reise in das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager in Polen hinterließ bei allen Teilnehmenden einen tiefen Eindruck. Durch Führungen, Vorträge und intensive Gespräche untereinander wurde deutlich, wie wichtig das Erinnern und das Bewahren der historischen Vergangenheit ist.
Aufgrund der bewegenden Erfahrungen in Auschwitz hat der Landesjugendvorstand entschieden, weitere Bildungsfahrten an historisch bedeutsame Orte anzubieten. Als Ziel für eine zweite Reise wurde die Normandie in Frankreich ausgewählt. Hier standen die historischen Stätten der alliierten Landung im Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. Der Besuch von Landungsstrände, Soldatenfriedhöfe und Museen vermittelte den Jugendlichen eindrücklich die Schrecken des Krieges, aber auch die Bedeutung von Frieden, Versöhnung und Freiheit in Europa.
Für die inhaltliche Ausgestaltung und Planung der Reise konnte die LV-Jugend erneut den bereits für die Polen-Reise tätigen Referenten, der zugleich Dozent beim Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz ist, gewinnen. Durch seine langjährige Tätigkeit und außerordentliche Expertise in der Geschichte des ersten und zweiten Weltkrieges war die Bildungsreise wieder von spannenden, aber zugleich auch erschreckenden Einblicken geprägt.
Auftakt der Veranstaltung war ein Vortreffen am 24. Januar 2025 in der LV-Geschäftsstelle. Dabei konnten sich die Teilnehmenden nicht nur gegenseitig kennenlernen, sondern wurden im Rahmen eines spannenden Vortrags auch bereits inhaltlich auf die Fahrt vorbereitet.
Reisebericht:
Am späten Abend des 24. April 2025 startete der Reisebus an der Landesverbands-Geschäftsstelle in Lünen – beladen mit geschichtsinteressierten und neugierigen Teilnehmenden, die sich auf eine Fahrt in eine der geschichtsträchtigsten Regionen Europas begaben.
25. April: Ankunft in der Normandie und Besuch in Sainte-Mère-Église
Nach einer langen, aber reibungslosen Fahrt erreichten wir am Morgen unser erstes Ziel: Sainte-Mère-Église, eine der ersten befreiten Städte Frankreichs während der Invasion am 6. Juni 1944. Im Mittelpunkt stand der Besuch des Airborne-Museums, das sich in unmittelbarer Nähe der Kirche befindet, an der Fallschirmspringer John Steele berühmt-berüchtigt hängen blieb. Die Ausstellung beeindruckte durch authentische Exponate, unter anderem einen originalen Lastensegler (Waco CG-4), Fallschirme, Uniformen und persönliche Gegenstände der US-Fallschirmjäger der 82. und 101. US-Luftlandedivision.
Die Geschichte John Steeles, der während der Landung in der Nacht zum D-Day mit seinem Fallschirm an der Kirchturmspitze hängen blieb und sich totstellte, um nicht von deutschen Soldaten erschossen zu werden, berührte viele der Teilnehmenden besonders. Noch heute erinnert eine Nachbildung an der Kirche an dieses dramatische Ereignis.
Im Anschluss fuhren wir weiter in unseren Übernachtungsort Port-en-Bessin, wo wir unser Hotel für die kommenden Nächte bezogen. Der kleine Hafenort, eingebettet zwischen hohen Steilküsten, lud zu einer ersten Erkundung ein. Eine Wanderung entlang der beeindruckenden Klippen bot atemberaubende Ausblicke auf das Meer und die Küstenlinie der Normandie. Der Tag endete mit einem geselligen Abendessen in einem der zahlreichen (Fisch-)restaurants und Crêperien des Hafens.
26. April: Utah Beach, La Cambe und Pointe du Hoc
Nach einem ausgiebigen Frühstück führte uns der Weg zum historischen Utah Beach, einem der fünf Landungsabschnitte der Alliierten am D-Day. Dort betraten am 6. Juni 1944 amerikanische Truppen (bis Tagesende 20.000 Soldaten und 1.700 Fahrzeuge) unter General Theodore Roosevelt Jr. die französische Küste. Die deutschen Verteidigungsanlagen wurden am frühen morgen durch eine massive Bombardierung zerstört bzw. schwer beschädigt. Dabei warfen 269 Mittelstreckenbomber insgesamt 4.404 Bomben ab, sodass die Landung im Bereich von Utah Beach vergleichsweise erfolgreich mit geringen Verlusten auf amerikanischer Seite erfolgte.
Weiter ging es zum deutschen Soldatenfriedhof La Cambe, wo über 21.000 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Anlage mit ihrem großen Grabhügel in der Mitte und den dunklen Basaltkreuzen wirkte sehr still und nachdenklich – ein Ort der Mahnung und der Erinnerung.
Am Nachmittag erreichten wir die spektakuläre Klippenstellung Pointe du Hoc, wo US-Ranger unter hohen Verlusten eine deutsche Geschützstellung stürmten, die insbesondere der Verteidigung der Strände Omaha und Utah diente. Noch heute zeugen riesige Bombenkrater und erhaltene Bunker von der erbitterten Schlacht. Die Lage direkt auf den Klippen und der Blick aufs Meer erinnerten daran, wie dramatisch sich die Geschehnisse hier abgespielt haben müssen.
Auch an diesem Abend genossen wir wieder die vielfältige Küche in Port en Bessin – Fischspezialitäten, Meeresfrüchte, aber auch einfache französische Klassiker begeisterten die Gruppe.
27. April: Longues-sur-Mer, Omaha Beach und amerikanischer Soldatenfriedhof
Der Sonntag begann mit der Besichtigung der Batterie de Longues-sur-Mer, einer deutschen Küstenbatterie mit vier gut erhaltenen 15,2 cm-Geschützen. Diese Anlage spielte am D-Day eine zentrale Rolle in der Verteidigung der Küste und wurde durch alliierte Schiffsartillerie ausgeschaltet. Die weitläufige Anlage bot einen guten Einblick in die strategische Bedeutung der Verteidigungsstellungen entlang des Atlantikwalls.
Danach ging es weiter zum legendären Omaha Beach, einem der am härtesten umkämpften Abschnitte des D-Day. Die Landung der amerikanischen Truppen forderte hier allein am ersten Tag mehrere tausend Todesopfer. In direkter Nähe liegt das sogenannte Widerstandsnest 62, eine deutsche Verteidigungsstellung. Die Besucher konnten sich hier eindrücklich vorstellen, wie sich die dramatischen Kämpfe auf dem weitläufigen Strand abgespielt haben müssen.
Am Nachmittag besuchten wir den unweit gelegenen amerikanischen Soldatenfriedhof (Normandy American Cemetery) in Colleville-sur-Mer. Mit über 9.300 weißen Marmorkreuzen auf einer perfekt gepflegten Rasenfläche direkt über dem Meer ist dieser Ort zutiefst bewegend. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Theodore Roosevelt Jr. sind hier begraben. Die feierliche Atmosphäre, die wir bei der Flaggeneinholung erleben konnten, aber auch Größe der Anlage hinterließen bei allen einen bleibenden Eindruck.
28. April: Arromanches und Abschluss in Ouistreham
Am letzten Tag unserer Reise checkten wir nach dem Frühstück aus und fuhren nach Arromanches-les-Bains, wo sich noch heute die Überreste des künstlichen Hafens Mulberry B im Meer befinden. Dieser provisorische Hafen wurde von den Alliierten nach dem D-Day errichtet, um Material und Truppen anzulanden – eine logistische Meisterleistung der Invasion. Bis zur offiziellen Schließung des Hafens am 19. November 1944 wurden hier insgesamt 690.900 Tonnen Nachschubgüter entladen, rund 40.000 Fahrzeuge und 220.000 Soldaten an Land gebracht werden. Der Hafen ermöglichte außerdem eine Evakuierung tausender verletzter Soldaten.
Zum Abschluss ging es weiter nach Ouistreham, wo wir den letzten Programmpunkt – eine Feedback- und Abschlussrunde am Strand – durchführen konnten. Bei strahlendem Sonnenschein und einer leichten Brise am Meer ließen wir die vergangenen Tage Revue passieren. Die Rückfahrt nach Deutschland begann um 15:00 Uhr, und in den frühen Morgenstunden des 29. April trafen wir müde, aber tief beeindruckt und bewegt wieder in Lünen ein.
Fazit
Die Gedenkstättenfahrt der DLRG-Jugend Westfalen in die Normandie war eine eindrucksvolle Reise in die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des D-Day. Die Kombination aus spannenden historischen Orten, bewegenden Momenten der Erinnerung und der Schönheit der normannischen Landschaft hinterließ bei allen Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck. Es war unvorstellbar, dass in dieser traumhaften Umgebung 1944 so viel Leid, Tod und Zerstörung herrschten. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, sich zu erinnern – für Frieden, Toleranz und ein gemeinsames Europa.
Hintergrundinformation: Die wichtigsten Ereignisse des D-Day in der Normandie (6. Juni 1944)
Der D-Day markierte den Beginn der alliierten Invasion in Westeuropa während des Zweiten Weltkriegs. Am 6. Juni 1944 landeten über 130.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien, Kanada und weiteren Alliierten in der Normandie, um Nazi-Deutschland zurückzudrängen. Die Operation trug den Codenamen „Operation Overlord“.
Die Landung erfolgte an fünf Strandabschnitten:
• Utah und Omaha Beach (von US-Truppen)
• Gold, Juno und Sword Beach (von britischen und kanadischen Einheiten)
Der Angriff wurde durch nächtliche Luftlandeoperationen vorbereitet, u. a. durch Fallschirmjäger in Sainte-Mère-Église. Besonders blutig verlief die Landung an Omaha Beach, wo die amerikanischen Truppen hohen Verlusten gegenüberstanden.
Wichtige strategische Ziele waren auch die Einnahme der Pointe du Hoc durch US-Ranger und die Zerstörung deutscher Verteidigungsanlagen, wie z. B. der Batterien in Longues-sur-Mer.
Trotz starker deutscher Gegenwehr gelang es den Alliierten, am Ende des Tages einen Brückenkopf in der Normandie zu errichten. Der D-Day war ein entscheidender Wendepunkt im Krieg und leitete das Ende der NS-Herrschaft in Europa ein.
Zitate von Teilnehmenden
„Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und gerne durch weitere Fahrten ergänzt werden darf!“
Sebastian Tüttelmann
„Die Bildungsfahrt nach Frankreich hat mal wieder einen super interessanten und abwechslungsreichen Einblick in die Geschichte gewährleistet. Wir danken dafür!
Michael Braun und Ingo Panczak
„Die Weite der Landschaft und des Krieges zu sehen war erstaunlich. Bis heute schwer nachvollziehbar, trotz aller erhaltener Denkmäler die besucht wurden.“
Frederike Döing
„Es war interessant zu sehen wie wenig Widerstand auf Seiten des dritten Reichs so viel Schaden bei den Invasionstruppen anrichten konnten. Alles hing an einem seidenen Faden. Alles hätte schief gehen können. Vieles ist schief gegangen, jedoch haben viel Glück, Zufälle, Fehlentscheidungen und Täuschungen letzten Endes dazu geführt, dass die Allierten den Sieg davontrugen.“
Danny Rösner
„Die vielen spannenden Informationen über den D-Day, aus einer völlig neuen Perspektive, haben mich sehr bewegt.“
Sarah Ponschek
„Das Thema dieser Bildungsfahrt war für mich besonders interessant, da mein Vater (Jahrgang 1926) hier an diesem Strandabschnitt am 9. August 1944 in amerikanische Gefangenschaft geriet und vom Utah Beach am 10. August 1944 zunächst nach England verschifft wurde. Von dort ging es kurze Zeit später noch nach Amerika und Kanada. Zurück nach Hause ist er erst 3 Jahre später gekommen.“
Karola Roolf
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